1957 startet KS Prof.
Herbert Alsen ein mehr als
ambitioniertes Projekt „Die
Seespiele Mörbisch“. Gisela
Alsen (Ehefrau) und Marina
Alsen (Tochter) erinnern
sich, wie alles begann.
Jeden
Sommer fährt die
Familie Alsen an die
Nordsee, weil das
Klima der Stimme des
Opernsängers
Herbert Alsen so
gut tut. Doch dann
kommt es, wie es
scheinbar kommen
muss, das Stammhotel
an der Nordsee wird
geschlossen und die
Alsens suchen ein
neues Sommerdomizil.
Der Zufall führt
Regie: Herbert Alsen
hört im Radio,
„Mörbisch baut ein
Seebad“, und
beschliesst,
„dort muss ich hin“.
1955 kommen Herbert
und Gisela Alsen
erstmals nach
Mörbisch am See
und sie sind die
ersten
Sommerfrischler in
der heutigen
Festspielgemeinde.
Mörbisch ist damals
ein Weinbauerndorf
an der toten Grenze
zu Ungarn und gerade
deshalb sind die
beiden vermutlich
davon fasziniert,
erinnert sich Gisela
Alsen:
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Gisela und Herbert
Alsen |
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Gisela Alsen |
"Es war alles so
naturbelassen, es
war so ruhig. Der
See und die
Landschaft gaben mir
ein Gefühl von
Heimat. Ich liebe
diese Weite, hier
hab ich nie das
beengende Gefühl der
Berge.“ |
4 Wochen später reisen die
Alsens vom Neusiedler See
weiter an den Traunsee. Im
Unterschied zu Mörbisch, wo
man nur traumhaften
Sonnenschein genossen hatte,
ist das Wetter am Traunsee
grau in grau, worauf KS
Prof. Herbert Alsen
entscheidet: „Ab sofort
bleiben wir den ganzen
Sommer in Mörbisch!“


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Mitte der 50er Jahre
des vorigen
Jahrhunderts
passiert aber auch
in Mörbisch am See
einiges. Um den
Tourismus
anzukurbeln, wird
der Bau eines
Schiffskanals ins
offene Wasser
angedacht.
Doch der Mörbischer
Baumeister
Michael Schneider
hat eine andere Idee
und so wird eine
Dammstrasse (die
heutige Seestrasse)
hinaus zum See
gebaut.
Michael Schneider
ist es auch, der
Herbert Alsen einen
Floh ins Ohr setzt:
„Wir könnten doch
draußen am See
Theater spielen.“
Und je mehr Herbert
Alsen darüber
nachdenkt, umso
besser gefiel ihm
diese Idee.
Herbert Alsen
überlegt sich
Seespiele mit Oper,
Operette und
Ballettabenden. „Da
er zuvor aber weder
Theaterdirektor noch
Intendant gewesen
ist, hat er
natürlich nicht
bedacht, dass das
ganze irrsinnig viel
Geld kostet, das
auch wieder
reinkommen muss.
Nach intensiven
Gesprächen mit der
burgenländischen
Landesregierung hat
er dann alles zurück
geschraubt und hat
dann alles auf die
Operette
zugeschneidert“, so
Gisela Alsen. |
„Die Operette
hat ihm gefallen, egal wo
immer er in der Welt
aufgetreten ist, waren
Operettenmelodien zu hören.
Ja und da er in der Oper
immer nur mit ernsthaftem
beschäftigt war, haben ihn
diese leichten Melodien
erfreut – die Operettentexte
hingegen hat er nicht immer
gemocht, aber darüber hat er
hinweggesehen.“
„Mein Mann ist dann im
Winter hinaus auf den
zugefrorenen See, ist
herumgewandert und hat mit
seiner mächtigen Stimme die
Akustik getestet.
Er hat ausprobiert, wo der
beste Platz für eine Bühne
und eine Tribüne sein
könnte.

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Ja und dann wurde
einfach eine Tribüne
aufgeschüttet und
Piloten ins Wasser
für die Bühne
geschlagen.
Innerhalb weniger
Monate schaffte er
es mit den
Mörbischern die
Seespiele aus dem
Boden zu
stampfen!“
Als erstes Stück
auf der Seebühne
wird „Der
Zigeunerbaron“
von Johann
Strauss geplant.
Um das ganze den
Politikern zu
verdeutlichen,
braucht Herbert
Alsen nun die Hilfe
seiner Ehefrau
Gisela. Gisela,
die unter ihrem
Mädchennamen Bossert
eine renommierte
Kostümbildnerin ist,
zeichnet zum ersten
und letzten Mal in
ihrem Leben ein
Bühnenbild, „wir
mussten der
Landesregierung
Bilder liefern und
ich hab das dann
gemacht, aber fragen
sie mich nicht, wie
das ausgesehen hat,
aber es hat gereicht
und wir waren einen
Schritt weiter.“ |
Am
6. Juli 1957 hat der
Zigeunerbaron auf der
Seebühne Premiere.
Herbert Alsen schafft es,
dass seine Kollegen von der
Wiener Staatsoper in
Mörbisch nahezu umsonst
singen. Von der Gage gehen
sich gerade das Quartier und
das Essen aus. Doch der
Enthusiasmus von Herbert
Alsen steckt einfach alle
an.
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Der Anfang in
Mörbisch ist
mühselig, vor allem
mit dem Geld ist es
eine liebe Not. Die
Landesregierung sagt
zwar die Gelder zu,
aber bis das Geld
tatsächlich kommt,
dauert es und so
finanziert die
Familie Alsen vieles
vor: „Wir mussten ja
den Sängern nach der
Vorstellung die Gage
bezahlen und ich
erinnere mich, es
war öfter der Fall,
dass ich am Tag nach
der Vorstellung ohne
Geld da stand und
nicht einmal
Lebensmittel
einkaufen konnte –
unsere Tochter
Marina hat mir dann
ihr Taschengeld zum
einkaufen geborgt.
Ach ja, und dann
wurden wir auch noch
angezeigt, ob die
Abrechnung der
Seespiele eigentlich
stimmt – aber wir
hatten ja gar kein
Geld, was sollten
wir da
unterschlagen!“
Herbert Alsen lebt
die Idee der
Seespiele Mörbisch,
anfangs zum
Leidwesen seiner
Ehefrau, „ich hab in
den ersten Jahren
alles gemacht, dabei
war ich so verwöhnt
gewesen und
plötzlich jetzt
musste ich die Bühne
zusammenkehren, die
Garderoben machen
und die Kostüme
schleppen. Wenn ich
einmal 5 Minuten
nichts zu tun hatte,
träumte ich von
einem weichen Bett,
in dem ich schlafen
kann.“
„Die Mörbischer
selbst waren alle
sehr engagiert und
unser erster Chor,
das waren Mörbischer.
Nur konnten sie
keine Noten lesen
und so musste der
Dirigent Karl
Winkler ihnen
Ton für Ton die
Lieder beibringen,
aber die Mörbischer
haben das geschafft,
sie waren alle
irrsinnig
musikalisch.“
Für Marina Alsen
ist Mörbisch das
Paradies
schlechthin. Das
Stadtkind istr
sofort begeistert
vom Leben auf dem
Land: „In der Stadt
hatte ich kaum
jemanden zum Spielen
und hier in Mörbisch
war das alles
anders, ich hatte
ganz plötzlich viele
Freunde und das
war ein Traum.“
Marina Alsen
ist von Anfang an
auch auf der Bühne
mit dabei. Sie putzt
die Garderoben und
die Bänke und sie
spielt
Laternenbuben,
Lausbuben und vieles
mehr auf der Bühne:
„Ich bin noch heute
ganz entzückt von
dem Leben hinter der
Bühne. Da spürt man
so ein Treiben, es
riecht es nach
Schminke, die Tänzer
machen die Knochen
weich und die
Sängerinnen singen
sich ein.
Das Leben hinter der
Bühne ist das
Theater, das ist das
Allerschönste.
Vermutlich hat mich
Mörbisch auch so
geprägt, dass ich
einfach
Schauspielerin
werden musste.“
Die Seefestspiele
Mörbisch
hinterlassen bei
Marina Alsen aber
auch andere Spuren:
„Seit meinem 13.
Lebensjahr ist der
Sommer vom Wetter
bestimmt.
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Ab Mittwoch war im Hause
Alsen die Krise angesagt.
Wir haben jeden
Wetterbericht gehört. Ich
war schon richtig gestört,
zuletzt hab ich den Schmerz
von 6000 Menschen auf mich
genommen und mit ihnen
gelitten, wenn wir sie
wetterbedingt ohne
Aufführung heim schicken
mussten.
“Auch nach dem Tod von
Herbert Alsen (1978) macht
Gisela Bosser-Alsen
die Kostüme für die
Seefestspiele Mörbisch und
zwar bis sie 1991 in Pension
geht. Gisela Alsen hat jede
Produktion auf der Seebühne
gesehen und somit viele
Stars auf der Bühne aber
auch hinter der Bühne
erlebt.
„Mein Gott, was waren hier
nur all für Leute unterwegs.
Die Grete Zimmer
(1978 „Die
Zirkusprinzessin/Emmerich
Kalman; 1979 „Gräfin Mariza/Emmerich
Kalman) und der Hugo
Gottschlich (1979 Gräfin
Mariza/Emmerich Kalman)
waren ein
geniales Paar, die waren
witzig und g’scheit. Aber
wir immer tolle Komiker
gehabt, Else Rambausek
und Rudolf Carl waren
so köstlich in der Gräfin
Mariza, ich kann noch immer
über die beiden lachen, als
ob ich sie erst gestern
erlebt hätte dabei war es
1959.“
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Ein beeindruckendes
Erlebnis für Marina
Alsen war das
Enagement von
Heinz Conrads 1971
in der
„Csardasfürstin“:„Er
hat die Massen zum
Toben gebracht, wie
kein anderer. Mein
Vater und er waren
in Sopron mit dem
Auto unterwegs und
mein Vater fühlte
sich wie der Lakai
oder besser gesagt
der Chauffeur vom
Prinzen, er ist
gefahren und der
Heinzi hat den
Leuten vom Auto aus
gewunken und die
sind alle hinterher
gelaufen.
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Heinz Conrads
1971 |
Ja und vor einer Vorstellung
sind plötzlich alle im
Publikum aufgestanden und
haben geklatscht – ich
dachte, na wer kommt wohl,
der Kreisky oder wer – nein
es war Heinz Conrads!“

Viko Torriani als
Caramello, 1972 |
Die jungen Mädchen
hingegen waren ganz
außer Rand und Band
als Vico Torriani
1972 in „Eine Nacht
in Venedig“
mitspielte, verrät
Gisela Alsen: „Vico
Torriania musste
regelrecht geschützt
werden. Die Mädchen
wollten ihn
unbedingt verführen.
Er hatte ein Haus in
Rust gemietet und
bevor er hineingehen
konnte, musste sein
Assistent schauen,
ob die Luft rein war
und sich nicht doch
irgendein Mädchen
Zutritt verschafft.
Das war ein
Frauenschwarm, der
vor den Mädchen fast
nicht retten!“
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Manche Stars von einst
lassen sich auch heute noch
im Hause Alsen in Mörbisch
blicken, wie zum Beispiel
Sari Barabas. Trotz
ihrer mittlerweile 93 Jahre
ist die Opernsängerin noch
recht agil und hat von ihrem
einstigen Zauber nichts
eingebüsst, sind sich beide
Alsen-Ladies einig: „Sari
Barabas eine richtige
Diva und die Mörbischer
haben sie richtig ins Herz
geschlossen, schliesslich
spielte sie ja auch einige
Jahre hier (1960
Viktoria und ihr Husar/Paul
Abraham; 1961 Die
Csardas-fürstin/Emmerich
Kalman; 1964 Die lustige
Witwe/Franz Lehar). Sari
Barabas hatte ein offenes
Auto und trug beim Fahren
einen weißen Schal, der
hinterher flatterte. Sie
wusste, wie man mit Männern
umgeht – auf der Bühne und
privat – sie war eine Diva,
kokett und doch wieder
unnahbar.“
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Dass beide Sänger,
die als Inbegriff
des Danilo aus der
Lustigen Witwe
gelten, Johannes
Heesters und Harald
Serafin, nicht
als Danilo auf der
Seebühne in Mörbisch
zu sehen waren,
bedauern Gisela und
Marina Alsen zwar,
doch es sei schon
ein Glück, dass
Johannes Heesters
1973 für
„Viktoria und ihr
Husar“ gewonnen
werden konnte und
Harald Serafin
1969 im
Bettelstudent
auf der Seebühne
sein Debüt gab. |

Sigrid Martikke,
Rolf Kutschera,
Johannes Heesters |

Harald Serafin und
Katalin Pitti
"Zigeunerbaron" 1986 |
Letzterer ist
seit 1992 Intendant
der Seefestspiele
Mörbisch und
leitet das Festival
mit viel Geschick.
Harald Serafin hat
sich mit Leib und
Seele der Operette
am See verschrieben,
wie das vor ihm von
1957 bis 1978
Herbert Alsen tat. |
In Mörbisch
lebt die Operette
und wie das Publikum zeigt,
ist die viel diskutierte
Erneuerung der Operette
nicht notwendig, zumal sie
auch meistens schief geht.
Denn die Operette lebt vom
Kitsch. Kitsch geschmackvoll
und intelligent zu zeigen
ist sehr, sehr schwierig –
aber in Mörbisch gelingt das
und zwar schon seit 1957. |