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Herbert Alsen
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Erinnerungen von
Gisela und Marina Alsen
 

August 2006

1957 startet KS Prof. Herbert Alsen ein mehr als ambitioniertes Projekt „Die Seespiele Mörbisch“.  Gisela Alsen (Ehefrau) und Marina Alsen (Tochter) erinnern sich, wie alles begann. 
Jeden Sommer fährt die Familie Alsen an die Nordsee, weil das Klima der Stimme des Opernsängers Herbert Alsen so gut tut. Doch dann kommt es, wie es scheinbar kommen muss, das Stammhotel an der Nordsee wird geschlossen und die Alsens suchen ein neues Sommerdomizil. Der Zufall führt Regie: Herbert Alsen hört im Radio, „Mörbisch baut ein Seebad“, und beschliesst, „dort muss ich hin“.

1955 kommen Herbert und Gisela Alsen erstmals nach Mörbisch am See
und sie sind die ersten Sommerfrischler in der heutigen Festspielgemeinde. Mörbisch ist damals ein Weinbauerndorf an der toten Grenze zu Ungarn und gerade deshalb sind die beiden vermutlich davon fasziniert, erinnert sich Gisela Alsen:




Gisela und Herbert Alsen

Gisela Alsen
Gisela Alsen

"Es war alles so naturbelassen, es war so ruhig. Der See und die Landschaft gaben mir ein Gefühl von Heimat. Ich liebe diese Weite, hier hab ich nie das beengende Gefühl der Berge.“

4 Wochen später reisen die Alsens vom Neusiedler See weiter an den Traunsee. Im Unterschied zu Mörbisch, wo man nur traumhaften Sonnenschein genossen hatte, ist das Wetter am Traunsee grau in grau, worauf KS Prof. Herbert Alsen entscheidet: „Ab sofort bleiben wir den ganzen Sommer in Mörbisch!“





Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts passiert aber auch in Mörbisch am See einiges. Um den Tourismus anzukurbeln, wird der Bau eines Schiffskanals ins offene Wasser angedacht.

Doch der Mörbischer Baumeister Michael Schneider hat eine andere Idee und so wird eine Dammstrasse (die heutige Seestrasse) hinaus zum See gebaut.

Michael Schneider ist es auch, der Herbert Alsen einen Floh ins Ohr setzt:

„Wir könnten doch draußen am See Theater spielen.“
Und je mehr Herbert Alsen darüber nachdenkt, umso besser gefiel ihm diese Idee.

Herbert Alsen überlegt sich Seespiele mit Oper, Operette und Ballettabenden. „Da er zuvor aber weder Theaterdirektor noch Intendant gewesen ist, hat er natürlich nicht bedacht, dass das ganze irrsinnig viel Geld kostet, das auch wieder reinkommen muss.

Nach intensiven Gesprächen mit der burgenländischen Landesregierung hat er dann alles zurück geschraubt und hat dann alles auf die Operette zugeschneidert“, so Gisela Alsen.

„Die Operette hat ihm gefallen, egal wo immer er in der Welt aufgetreten ist, waren Operettenmelodien zu hören. Ja und da er in der Oper immer nur mit ernsthaftem beschäftigt war, haben ihn diese leichten Melodien erfreut – die Operettentexte hingegen hat er nicht immer gemocht, aber darüber hat er hinweggesehen.“

„Mein Mann ist dann im Winter hinaus auf den zugefrorenen See, ist herumgewandert und hat mit seiner mächtigen Stimme die Akustik getestet.
Er hat ausprobiert, wo der beste Platz für eine Bühne und eine Tribüne sein könnte.



Ja und dann wurde einfach eine Tribüne aufgeschüttet und Piloten ins Wasser für die Bühne geschlagen.

Innerhalb weniger Monate schaffte er es mit den Mörbischern die Seespiele aus dem Boden zu
stampfen!“

Als erstes Stück auf der Seebühne wird „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss geplant. Um das ganze den Politikern zu verdeutlichen, braucht Herbert Alsen nun die Hilfe seiner Ehefrau Gisela. Gisela, die unter ihrem Mädchennamen Bossert eine renommierte Kostümbildnerin ist, zeichnet zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben ein Bühnenbild, „wir mussten der Landesregierung Bilder liefern und ich hab das dann gemacht, aber fragen sie mich nicht, wie das ausgesehen hat, aber es hat gereicht und wir waren einen Schritt weiter.“

 Am 6. Juli 1957 hat der Zigeunerbaron auf der Seebühne Premiere. Herbert Alsen schafft es, dass seine Kollegen von der Wiener Staatsoper in Mörbisch nahezu umsonst singen. Von der Gage gehen sich gerade das Quartier und das Essen aus. Doch der Enthusiasmus von Herbert Alsen steckt einfach alle an.

Der Anfang in Mörbisch ist mühselig, vor allem mit dem Geld ist es eine liebe Not. Die Landesregierung sagt zwar die Gelder zu, aber bis das Geld tatsächlich kommt, dauert es und so finanziert die Familie Alsen vieles vor: „Wir mussten ja den Sängern nach der Vorstellung die Gage bezahlen und ich erinnere mich, es war öfter der Fall, dass ich am Tag nach der Vorstellung ohne Geld da stand und nicht einmal Lebensmittel einkaufen konnte – unsere Tochter Marina hat mir dann ihr Taschengeld zum einkaufen geborgt. Ach ja, und dann wurden wir auch noch angezeigt, ob die Abrechnung der Seespiele eigentlich stimmt – aber wir hatten ja gar kein Geld, was sollten wir da unterschlagen!“

Herbert Alsen lebt die Idee der Seespiele Mörbisch, anfangs zum Leidwesen seiner Ehefrau, „ich hab in den ersten Jahren alles gemacht, dabei war ich so verwöhnt gewesen und plötzlich jetzt musste ich die Bühne zusammenkehren, die Garderoben machen und die Kostüme schleppen. Wenn ich einmal 5 Minuten nichts zu tun hatte, träumte ich von einem weichen Bett, in dem ich schlafen kann.“

„Die Mörbischer selbst waren alle sehr engagiert und unser erster Chor, das waren Mörbischer. Nur konnten sie keine Noten lesen und so musste der Dirigent Karl Winkler ihnen Ton für Ton die Lieder beibringen, aber die Mörbischer haben das geschafft, sie waren alle irrsinnig musikalisch.“

Für Marina Alsen ist Mörbisch das Paradies schlechthin. Das Stadtkind istr sofort begeistert vom Leben auf dem Land: „In der Stadt hatte ich kaum jemanden zum Spielen und hier in Mörbisch war das alles anders, ich hatte ganz plötzlich viele Freunde und das war ein Traum.“

Marina Alsen ist von Anfang an auch auf der Bühne mit dabei. Sie putzt die Garderoben und die Bänke und sie spielt Laternenbuben, Lausbuben und vieles mehr auf der Bühne: „Ich bin noch heute ganz entzückt von dem Leben hinter der Bühne. Da spürt man so ein Treiben, es riecht es nach Schminke, die Tänzer machen die Knochen weich und die Sängerinnen singen sich ein.

Das Leben hinter der Bühne ist das Theater, das ist das Allerschönste. Vermutlich hat mich Mörbisch auch so geprägt, dass ich einfach Schauspielerin werden musste.

Die Seefestspiele Mörbisch hinterlassen bei Marina Alsen aber auch andere Spuren: „Seit meinem 13. Lebensjahr ist der Sommer vom Wetter bestimmt.

 

Ab Mittwoch war im Hause Alsen die Krise angesagt. Wir haben jeden Wetterbericht gehört. Ich war schon richtig gestört, zuletzt hab ich den Schmerz von 6000 Menschen auf mich genommen und mit ihnen gelitten, wenn wir sie wetterbedingt ohne Aufführung heim schicken mussten.

“Auch nach dem Tod von Herbert Alsen (1978) macht Gisela Bosser-Alsen die Kostüme für die Seefestspiele Mörbisch und zwar bis sie 1991 in Pension geht. Gisela Alsen hat jede Produktion auf der Seebühne gesehen und somit viele Stars auf der Bühne aber auch hinter der Bühne erlebt. 

„Mein Gott, was waren hier nur all für Leute unterwegs. Die Grete Zimmer (1978 „Die Zirkusprinzessin/Emmerich Kalman; 1979 „Gräfin Mariza/Emmerich Kalman) und der Hugo Gottschlich (1979 Gräfin Mariza/Emmerich Kalman) waren ein
geniales Paar, die waren witzig und g’scheit. Aber wir immer tolle Komiker gehabt, Else Rambausek und Rudolf Carl waren so köstlich in der Gräfin Mariza, ich kann noch immer über die beiden lachen, als ob ich sie erst gestern erlebt hätte dabei war es 1959.“

Ein beeindruckendes Erlebnis für Marina Alsen war das Enagement von Heinz Conrads 1971 in der „Csardasfürstin“:„Er hat die Massen zum Toben gebracht, wie kein anderer. Mein Vater und er waren in Sopron mit dem Auto unterwegs und mein Vater fühlte sich wie der Lakai oder besser gesagt der Chauffeur vom Prinzen, er ist gefahren und der Heinzi hat den Leuten vom Auto aus gewunken und die sind alle hinterher gelaufen.


Heinz Conrads 1971

Ja und vor einer Vorstellung sind plötzlich alle im Publikum aufgestanden und haben geklatscht – ich dachte, na wer kommt wohl, der Kreisky oder wer – nein es war Heinz Conrads!“


Viko Torriani als Caramello, 1972
Die jungen Mädchen hingegen waren ganz außer Rand und Band als Vico Torriani 1972 in „Eine Nacht in Venedig“ mitspielte, verrät Gisela Alsen: „Vico Torriania musste regelrecht geschützt werden.  Die Mädchen wollten ihn unbedingt verführen.

Er hatte ein Haus in Rust gemietet und bevor er hineingehen konnte, musste sein Assistent schauen, ob die Luft rein war und sich nicht doch irgendein Mädchen Zutritt verschafft. Das war ein Frauenschwarm, der vor den Mädchen fast nicht retten!“
 

Manche Stars von einst lassen sich auch heute noch im Hause Alsen in Mörbisch blicken, wie zum Beispiel Sari Barabas. Trotz ihrer mittlerweile 93 Jahre ist die Opernsängerin noch recht agil und hat von ihrem einstigen Zauber nichts eingebüsst, sind sich beide Alsen-Ladies einig: „Sari Barabas eine richtige Diva und die Mörbischer haben sie richtig ins Herz geschlossen, schliesslich spielte sie ja auch einige Jahre hier (1960 Viktoria und ihr Husar/Paul Abraham; 1961 Die Csardas-fürstin/Emmerich Kalman; 1964 Die lustige Witwe/Franz Lehar). Sari Barabas hatte ein offenes Auto und trug beim Fahren einen weißen Schal, der hinterher flatterte. Sie wusste, wie man mit Männern umgeht – auf der Bühne und privat – sie war eine Diva, kokett und doch wieder unnahbar.“

Dass beide Sänger, die als Inbegriff des Danilo aus der Lustigen Witwe gelten, Johannes Heesters und Harald Serafin, nicht als Danilo auf der Seebühne in Mörbisch zu sehen waren, bedauern Gisela und Marina Alsen zwar, doch es sei schon ein Glück, dass Johannes Heesters 1973 für „Viktoria und ihr Husar“ gewonnen werden konnte und Harald Serafin 1969 im Bettelstudent auf der Seebühne sein Debüt gab.


Sigrid Martikke, Rolf Kutschera,
Johannes Heesters


Harald Serafin und Katalin Pitti "Zigeunerbaron" 1986
Letzterer ist seit 1992 Intendant der Seefestspiele Mörbisch und leitet das Festival mit viel Geschick. Harald Serafin hat sich mit Leib und Seele der Operette am See verschrieben, wie das vor ihm von 1957 bis 1978 Herbert Alsen tat.

In Mörbisch lebt die Operette und wie das Publikum zeigt, ist die viel diskutierte Erneuerung der Operette nicht notwendig, zumal sie auch meistens schief geht. Denn die Operette lebt vom Kitsch. Kitsch geschmackvoll und intelligent zu zeigen ist sehr, sehr schwierig – aber in Mörbisch gelingt das und zwar schon seit 1957.

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