ONLINE PRESSESPIEGEL ZUR PREMIERE "IM WEISSEN RÖSSL"
 
Wenn selbst der Kaiser einmal machtlos ist. Mit Ralph Benatzkys „Im weißen Rössl“ kann Intendant Harald Serafin trotz Pannen wieder einen Erfolg verbuchen.  [mehr...]
Benatzkys „Im weißen Rössl“ mit Zabine, Fendrich, Eberhartinger, Serafin: „Es muss was Wunderbares sein!“ [mehr...]
Seefestspiele Mörbisch: Serafin tobte, Zabine jodelte. [mehr...]
Seefestspiele Mörbisch: Premiere von Ralph Benatzkys "Im weißen Rössl" - Zuckerguss mit Pfeffer. [mehr...]
Im Weißen Rössl": Operette als Revue [mehr...]
Ein Rösslsprung mit Hindernissen [mehr...]
Fast heile Operettenwelt - Opulente Premiere des "Weißen Rössls" [mehr...]
Schrille Show - TV-Stars erobern die Seefestspiele [mehr...]

 

Kurier: Wenn selbst der Kaiser einmal machtlos ist. Mit Ralph Benatzkys „Im weißen Rössl“ kann Intendant Harald Serafin trotz Pannen wieder einen Erfolg verbuchen.
So mutig (und etwas populistisch) waren die Seefestspiele Mörbisch noch nie. Zumindest was die Besetzung anbelangt. Denn mit Rainhard Fendrich als Leopold, Zabine Kapfinger als „Rössl“-Wirtin und Klaus Eberhartinger als „schöner Sigismund“ hat Intendant Harald Serafin bei Benatzkys „Im weißen Rössl“ gleich drei prominente Debütanten ins Fach der „leichten Muse“ gelockt.

Ein Coup, der in zwei Fällen aufgeht. So ist Rainhard Fendrich als Zahlkellner Leopold sehr glaubwürdig. Er singt seine Nummern gut, verleiht der Figur Ecken und Kanten und sogar einen Anflug von strizzihafter Bösartigkeit. Das passt. Und Klaus Eberhartinger ist als Sigismund Sülzheimer eine Nummer für sich; der richtige Typ in der richtigen Rolle.
Nur Zabine Kapfinger hat trotz des „Erzherzog-Johann-Jodlers“, mit dem sie sich die Gunst des Publikums ersingt, massive Probleme als Wirtin. Ihre Josepha ist trotz akustischer Verstärkung nur ein Abklatsch berühmter „Rössl“-Herrinnen.

Da kann auch der Kaiser – Serafin selbst holt sich in dieser Rolle alle Pointen – wenig ausrichten. Wie seine Majestät bei der Premiere auch gegen den kurzfristigen Ausball der Tonanlage leider machtlos war.

Gewohnt mächtig und prächtig ist dagegen das von Rolf Langenfass entworfene Bühnenbild, das neben dem halben Salzkammergut noch Raum für eine Showbühne bietet. Diese nämlich brauchen Karl Absenger für seine sichere, revuehafte Inszenierung und Choreograf Giogio Madia für seine köstlichen (Tanz der Kühe), gut gemachten Balletteinlagen.
Gut schlägt sich auch ein Teil des Ensembles. Allen voran Anja-Katharina Wigger als attraktive Ottilie, Ina Nadine Wagler als lispelndes Klärchen, Marco Jentzsch als Siedler und Rafael Schuchter als quirliger Piccolo. Klaus-Dieter Lerche als Giesecke und Erik Göller als Hinzelmann wirken hier nur mit.

Am Pult des Festival Orchester Mörbisch hat Rudolf Bibl alles im Griff; Benatzkys Melodien (und nicht nur die seinen) zünden da mitunter wie das obligate Feuerwerk.
 

Quelle: www.kurier.at
 

Kronen Zeitung: Benatzkys „Im weißen Rössl“ mit Zabine, Fendrich, Eberhartinger, Serafin: „Es muss was Wunderbares sein!“
Das Herz mag heuer Serafin fast stehen geblieben sein, als kurz nach Beginn die Lautsprecher ausfielen und man das Orchester nur noch wie aus weiter Ferne rumoren hörte. Die Sänger waren kaum hörbar, Chöre und Tänzer gaben durch rhythmisches Klatschen den Takt an, sodass wenigstens nicht abgebrochen werden musste.

Serafin wollte schon heuer zusätzlich junge Zuschauer gewinnen: also besetzte er die Benatzky-Revueoperette „Im weißen Rössl“ mit Stars aus der Pop- und Austro-Pop-Szene. Sein Vorhaben glückte immerhin teilweise, am besten nach der Pause mit Klaus Eberhartinger, einem fulminanten Sänger-Darsteller des „schönen Sigismund“. Im schicken Sportwagen fuhr er auf die Bühne, die er zusammen mit dem köstlich lispelnden Klärchen (Ina Nadine Wagler) souverän beherrschte.

Hinreißend seine Bootsfahrt und wie er eine lustige Badekabinen-Nummer hinlegte.
Auch Rainhard Fendrich steigt mühelos und sicher in Genre Operette um: er ist absolut präsent als unwilliger Kellner Leopold, der seine Gäste warten lässt, seine Chefin anschmachtet und mit „Zuschaun kann i net“ oder „Es muss was Wunderbares sein“ sein Publikum in der Hand hat.

Zabine Kapfinger ist eine resche, fesche Rösslwirtin. Sie überrascht mit Temperament, bezaubert mit dem eingelegten „Erzherzog Johann Jodler“, gab sich aber im Gesang zurückhaltend.

In Karl Absengers Inszenierung, die die Riesenbühne bis in den letzten Winkel mit Betrieb füllt, sorgt Rudolf Bibl für musikalische Atouts. Er setzt das Festival Orchester Mörbisch schwungvoll ein. Choreograph Giogio Madia bietet fröhliches Ballett (ländliche Schuhplattler, Kuhtänze, Himmelblau-Walzer, Tanznummern im Badeanzug).

Meister der Seebühne ist Rolf Langenfass: er stellt auf die Bretter ein kleines Dorf mit Hotels, Bauernhäusern, einer Alm, auf der gemüht wird, Bergen, deren Zacken durch Glühbirnenketten erstrahlen. Der See spielt auch mit: hier legt der Dampfer „Franz Joseph“ mit dem Kaiser an. Und ein prächtig beleuchteter, alter Riesenbilderrahmen, in dem das alles stattfindet, ironisiert den lieblichen Kitsch…

Als Franz Joseph steht natürlich Harald I. Serafin, sonst nur König von Mörbisch, im Mittelpunkt. Ein fescher alter Kaiser, der alles schön findet, den alles sehr gefreut hat, der Lebensweisheiten ins Stammbuch der Wirtin schreibt und zuletzt noch einen Hochstand erklimmen muss.

Quelle: www.krone.at

 
Presse: Seefestspiele Mörbisch: Serafin tobte, Zabine jodelte.
War die ORF-Übertragung schuld? Oder doch die nicht ganz taufrische Tonanlage des Herrn Serafin? Der Grund für den teilweisen Ausfall der Lautsprecherbeschallung im ersten Teil des „Weißen Rössl“ wurde zum Pausengespräch Nummer eins im Mörbischer Seetheater. Gestört hat die kurze Panne kaum (außer den Intendanten, der bei der Premierenfeier einen Tobsuchtsanfall bekommen haben soll), die Zuseher übernahmen mit Klatscheinlagen kurzerhand die Funktion des Orchesters, die Sänger gaben unbeirrt ihr Bestes .

Womit wir auch schon beim Hauptkritikpunkt wären: Bis auf wenige Ausnahmen war das gesanglich Beste, das bei dieser Aufführung geboten wurde, leider weit unter jenem Niveau, das man der Operette im Speziellen und dem Weißen Rössl im Besonderen wünscht. So überzeugend Rainhard Fendrich als Zahlkellner Leopold (samt wirklich charmantem Dialekt) auf der Bühne agiert – seinen Ohrwürmern („Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“, „Zuschaun kann i net“) fehlt es einfach an Stimmgewalt und -intensität.

Auch Zabine Kapfinger beeindruckt mit ihrer Darstellung der reschen Rösslwirtin Josepha Vogelhuber – gesanglich aber eher mit dem eingeschobenen Jodler zu Beginn des zweiten Akts als mit ihrer regulären Partie. Von den Genre-Fremden schlägt sich EAV-Frontman und ORF-Moderator Klaus Eberhartinger als Sigismund am besten: Er staunt mit viel stimmlichem Elan darüber, dass er so schön ist.

Aber auch die klassisch Geschulten können das Niveau nicht retten, mit einer Ausnahme: Klaus-Dieter Lerch ist ein auf allen Ebenen wunderbarer Fabrikant Giesecke. Die Qualität des Orchesters ist aufgrund der Verzerrungen der Anlage kaum zu beurteilen – klangliche Differenzierungen waren da jedenfalls kaum auszumachen.
Freilich: Wer künstlerische Qualität sucht, reist ohnehin nicht nach Mörbisch. Es ist das Spektakel, das zählt. Und das zu entfachen, gelingt Intendant Harald Serafin wieder einmal hervorragend. Bühnenbild, Kostüme (Rolf Langenfass) und Inszenierung (Karl Absenger) fahren mit allem auf, was dem Auge schmeichelt: Pittoreske Häuschen, Berge, Mond und Sterne, rot-weiß karierte Tischtücher, Kühe, Strohhaufen, ein alter Postbus oder ein glänzend polierter Austin Healey.

Die Darsteller fahren Tretboot, baden im Neusiedler See, wandern durchs Publikum oder auf Almwiesen, tanzen, springen, blödeln. Zu „die ganze Welt ist himmelblau“ leuchten blaue Lichter, und die Tänzerinnen tragen blaue Kleider, blaue Fächer und blaue Haare. So nett, so vorhersehbar. Auch die Tanzeinlagen (Choreografie: Giorgio Madia) bleiben gefällig: Stubenmädchen, Bauernbuben, Kellner, Sommerfrischler wirbeln mit bunten Schirmen, Heugabeln, Staubwedeln oder Tabletts herum.

Im Gedächtnis haften bleiben zwei Szenen: Die poppige Tanzeinlage der Kühe und Harald Serafin, der als seniler Kaiser Franz Josef einen meterhohen Hochstand erklimmen muss und anschließend verlautbart: „Es war sehr hoch, es hat mich sehr gefreut.“ Da geht die Würde baden – aber das Volk nimmt's mit Großmut.

Quelle: www.diepresse.com


 

Wiener Zeitung: Seefestspiele Mörbisch: Premiere von Ralph Benatzkys "Im weißen Rössl" - Zuckerguss mit Pfeffer.
Auch ein Schlachtschiff kann trudeln. Was mit einem Knacksen aus den Boxen beginnt, endet im Super-GAU: Totalausfall der Orchesterverstärkung. Und das ausgerechnet bei den Mörbischer Seefestspielen, diesem Fest der Operette und der Perfektion. Und just bei der Premiere, die der ORF live überträgt.

Was natürlich bedeutet: Weitermachen! Also beschwört Josepha Vogelhuber den Charme ihres "Weißen Rössls" fallweise vor einem Orchesterwispern, das gerade noch zur 6000-Zuseher-Tribüne dringt. Und so stimmen Josepha und der Rechtsanwalt Dr. Siedler die Reprise in einem akustischen Vakuum an, auch sie nun unverstärkt. Doch da greift das Publikum ein: In einem berührenden Solidaritätsakt pascht es mit, will die Premieren-Pein lindern. Und bei der nächsten Nummer ist der (technische) Normalzustand wiederhergestellt.Vielleicht eine symptomatische Publikumsreaktion: Mörbisch, das ist die Zentrale des Eskapismus. Wo die heile Operettenwelt ja auch nur im Ignorieren allen Unheils funktioniert. Und wo Intendant Harald Serafin auch alles daran setzt, die jährlichen Instandsetzungen dieser Zuckerglasur vor kritischen Regieakten zu schützen.

Von der kurzen Betriebsstörung abgesehen, gelingt dies mit Ralph Benatzkys "Im weißen Rössl" blendend, denn Regisseur Karl Absenger bedient die Trademark Mörbisch als gewiefter Bühnenpraktiker. So wirbeln sie wieder, die unzähligen Massenchoreografien – heuer meist im rustikalen Gewand, imaginiert man sich doch ans Ufer des Wolfgangsees. Und das hat Mörbisch-Dauer-Bühnenbildner Rolf Langenfass mit putzigen Häuschen auf der Kingsize-Bühne geparkt.

Paradox, aber typisch Mörbisch: Dass an den Höhepunkten, wenn der routinierte Rudolf Bibl besonders leidenschaftlich dirigiert, unzählige Glühbirnen im rustikalen Ambiente blinken. Authentizität ist Mörbisch wichtig. Aber wichtiger scheint der Effekt. Den beschwört auch ein riesiger Rahmen im Bühnenzentrum, der so unklug nicht ist: Er entrückt Revue szenen ins Traumhafte. Und umrahmt das Postkarten-Idyll des dahinterliegenden Neusiedler Sees, der heuer Wolfgangsee heißt. Heißt also: Traumschloss-Routine in Mörbisch, dazu allerlei Operetten-Turbulenzen und Geturtel, wie man es aus der Verfilmung mit Peter Alexander (1960) kennt.

Doch zum Zucker kommt nach der Pause Pfeffer. Und der belebt. Schließlich ist "Im weißen Rössl", dem Titel zum Trotz, eine Berliner Operette des Jahres 1930. Und steht damit, obwohl vom Dvorák-Schüler als "Singspiel" bezeichnet, an einem Schnittpunkt – zwischen champagnerseligem Sentiment der Wiener Operette und hemdsärmeligem Berliner Schmiss, der vom Swing-Jazz zehrt. Wobei da auch ein wenig Frivolität mitspielt, die in Mörbisch zu trashigen Ehren kommt: Zur Schmafu-Nummer "Eine Kuh so wie du" melken sexy Sennerinnen ihr Getier; und dass Ottilie ihren preußischen Papa zum Bleiben überreden will, hat hier mit dem forschen Zugriff eines Naturburschen zu tun.

Im Klartext also: "Auf der Alm, da gibt’s ka’ Sünd’", es hallt irgendwann von der Bühne – und Österreich darf sich geschmeichelt fühlen, für die Deutschen (zumindest irgendwann) jenes sinnliche Arkadien gewesen zu sein, das unsereins in südlicheren Gefilden vermutet.

Weil allzu viel Trash freilich eine Regie-Sünde wider Mörbisch wäre, ist die Grellheit dann auch schon wieder futsch. Schelmisch, schwungvoll muss es sein – und da leistet Klaus Eberhartinger, einer der vier heurigen Operetten-VIPs, in der zweiten Hälfte beste Dienste. "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?" Der Alt-Austropopper, der nun im Tweed-Anzug mit dem flotten Flitzer anbraust, legt die Rolle des Berliner Bonzenbubis eher relaxt, als lustwandelnden Bonvivant an. Die Kombination mit Ina Nadine Wagler (lispelnder Backfisch Klärchen) und Erik Göller (versponnener Brautvater in spe) zeitigt köstlich krause Pointen.

Und auch Serafin bespielt diese Humorregion, wenn er zuletzt Kaiser Franz Joseph mimt. Der schlichtet im Original, ganz Deus ex machina mit ebensolcher Allwissenheit, die Liebeszwiste. Die Mörbisch-Variante – der Kaiser als seniler Lustgreis – kommt der ruhmlosen Realität jedenfalls ein Stückchen näher.
Strahlkraft lassen jedoch die anderen (Dancing) Stars der Premiere vermissen: Zabine Kapfingers Wirtin ist sympathisch, stimmlich aber überfordert.

Und während Peter Alexander einst zumindest drei Gesichter aufbot (clownesker Spezi, zackiger Macher und schulbubenhafter Schwärmer), serviert Rainhard Fendrichs Zahlkellner meist nur manierierte Melancholie. Er genügt stimmlich – ist jedoch weit von jenem Schmelz, den Marco Jentzsch als Dr. Siedler aufbringt. Fazit: Kein Herzensweh beim Abschied vom Wolfgangsee, aber ein charmanter Abend.

Quelle: www.wienerzeitung.at

 
ORF „Im Weißen Rössl": Operette als Revue

Bei den Seefstspielen Mörbisch hatte Donnerstagabend "Im Weißen Rössl" Premiere. Auf der Bühne wurde neben Stars alles aufgefahren, was Operette bieten kann. Auf der Bühne wurde in entsprechenden Kostümen getanzt und gesungen.
Das "Weiße Rössl" am Neusiedler See spiele alle Stückl, komme aber nicht so sehr als Operette, sondern eher als Revue daher, meint ORF Burgenland-Kulturchefin Sabine Schmall in ihrer Premierenkritik. Eine bekannte Melodie, nicht nur von Ralph Benatzky, sondern etwa auch von Robert Stolz, reihte sich an die andere.
"Gespannt sein durfte man, wie sich Rainhard Fendrich als Zahlkellner Leopold und Zabine Kapfinger als Rösslwirtin schlagen. Nun die leichte Muse ist nicht ganz so leicht, da gab es kleinere stimmliche Unsicherheiten", so Schmall.
Nach der Pause hatte Klaus Eberhartinger als schöner Sigismund einen gelungenen Auftritt und Intendant Harald Serafin gab eine köstliche Parodie auf eine kaiserliche Hohheit, auf Kaiser Franz Josef.
Bravourös gemeistert wurde eine technische Panne. Als der Orchesterton ausgefallen ist, wurde a capella weitergesungen.
Die Ausstattung von Rolf Langenfass ist so opulent, dass sie sich beinahe über die Operette lustig macht und auch Regisseur Karl Absenger lässt baden gehen, und zwar Statisten, die sich als Sommergäste im Neusiedlersee erfrischen. Zum Schluss wurde wie immer lautstark in den Himmel geschossen und wie immer gab es besonders für das Feuerwerk Begeisterungsstürme.

Oberösterreichische Nachrichten: Ein Rösslsprung mit Hindernissen.
Was kann der Serafin dafür, dass es so schön ist? Das Wetter nämlich. Offensichtlich funktioniert der Draht zu Petrus perfekt, auch zur Premiere von Benatzkys „Im Weißen Rössl“ war ihm in Mörbisch Kaiserwetter beschert.

Das hat auch gut gepasst, spielt Serafin in dieser Produktion doch den alten Kaiser Franz Joseph. Bei der Besetzung der Hauptrollen verschrieb er sich heuer der Pop-Seite: Rainhard Fendrich ist der Zahlkellner Leopold, Zabine Kapfinger die Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber, Klaus Eberhartinger der schöne Sigismund.

Fendrich brachte zwar den Bonus des Popstars mit, aber in Bezug auf die Bewegung hätte ihm ein Kurs bei Samy Molcho gutgetan, dieser Leopold bleibt ein bisschen steif. Beim Gesang gibt es da und dort Probleme mit den Einsätzen, die Artikulation wird im zweiten Teil besser.

Zabine Kapfinger: nicht perfekt, aber durchwegs sympathisch. Einmal darf sie sogar das, was sie besonders gut kann: jodeln. Man hat ihr den „Erzherzog-Johann-Jodler“ genehmigt. Der gehört zwar nicht zum „Weißen Rössl“, aber was soll’s?
 
Klaus Eberhartinger mimt einen fast vornehm zurückhaltenden schönen Sigismund. Eine sehr passable Leistung. Und Meister Serafin himself macht aus dem gütigen auch einen witzigen Kaiser. Zu loben wären noch Ina Nadine Wagler für ihr Klärchen, der „Linzer“ Klaus-Dieter Lerche als Giesecke, Rafael Schuchter als Piccolo.

Die Regie von Karl Absenger hätte straffer sein können, Dirigent Rudolf Bibl warf Routine ins Gewicht, Rolf Langenfass schuf erwartet Buntes (Bühnenbild und Kostüme). An der neuerlich verbesserten Tonanlage wird man weiterhin verbessern müssen...

Bei allen vereinzelten Einwänden: Dem Publikum hat es offensichtlich gefallen, der Herr Intendant und Großmeister der PR wird sich keine Sorgen machen müssen und schon bald mit den Vorbereitungen zu seiner Produktion 2009 beginnen – erstmals in Mörbisch ein Musical: „My Fair Lady“.

Quelle: www.orf.at
derStandard: Fast heile Operettenwelt - Opulente Premiere des "Weißen Rössls".
"Nur hübsch gemütlich, immer friedlich" : Was der Ober Leopold da singt, könnte auch als Motto von Harald Serafins Seefestspielen gelten. Mörbisch wird jeden Sommer zu einem Mekka operettenseliger Gemütlichkeit, wo das Publikum weiß, was es erwarten darf: professionelle Unterhaltung vor hübscher Kulisse.

Dass bei der gestrigen Premiere ein Stromausfall zu bewältigen war und das Ensemble minutenlang ohne verstärktes Orchester singen musste, konnte da niemanden so recht irritieren: weder Ballett und Chor noch jene Darsteller, für die die Mitwirkung bei diesem Unternehmen ohnehin schon eine Premiere darstellte. Natürlich hatte sich die Aufmerksamkeit zunächst auf Rainhard Fendrich als Leopold konzentriert, der mit hintergründigem Charme versuchte, Zabine Kapfinger als Josepha für sich zu gewinnen.

Vor der Kulisse, die ein wenig wie eine kolorierte Postkarte aussieht, war es allerdings bis zur Pause weniger die Liebesgeschichte, sondern eher die szenische Opulenz mit üppig-bunten Kostümen, die größere Wirkung hatte. Dass Gesang und Intimität eher Nebensache blieben, war allerdings keine Überraschung. Denn: Was man sich von Mörbisch erwartet, wird hier auch erfüllt. Und das ist ja gar nicht so wenig.

Da mochte es wohl helfen, dass sämtliche in Reichweite liegenden Klischees ausgiebig gepflegt wurden. Rolf Langenfass hatte ein ausgesprochen pittoreskes St. Wolfgang und eine sattgrüne Bergwelt auf die Bühne gestellt, dazwischen aber immerhin einen brauchbaren Platz für die revueartigen Szenen und die wirkungsvollen Choreografien von Giorgio Madia geschaffen.

Auch alle kitschigen Seiten des Rössl wurden dankbar aufgegriffen, sodass insgesamt eher eine himmelblaue Schlagerparade von teils mittelmäßiger Qualität entstand. Andererseits sind aber die Frivolität und Situationskomik dieses Vorläufers der Piefke-Saga kaum umzubringen. Und das, obgleich Regisseur Karl Absenger manche Pointe und überraschende Wendung verschenken ließ.

Obwohl (oder weil?) er seinen Leopold als Mischung aus Macho und heiserem Hans Moser anzulegen schien, glückten Rainhard Fendrich allerdings einige hintergründige Zwischentöne, die live gut über die Rampe kamen.

Rührend outrierend gelang dies auch dem gebrechlichen Kaiser des Harald Serafin, der schon zuvor wie gewohnt seinen eigentlichen großen Auftritt absolviert hatte, indem er mehr oder weniger Prominente mehr oder weniger geschmackvoll begrüßte. Innenansichten des Österreichischen also, auch wenn sich Zabine Kapfinger als Josepha nicht zwischen Weißwurschtbayerisch, Burgtheater-R und kehligem Tirolerisch entscheiden und gesanglich nur mit einem Jodler brillieren konnte.

Wesentlich routinierter das "hohe Paar" Otto Siedler (Marco Jentzsch) und Ottilie (Anja-Katharina Wigger), aber auch die Witzfiguren Sigismund (Klaus Eberhartinger) und Klärchen (Ina Nadine Wagler). Doch letztlich zählen in Mörbisch ohnehin die gute Laune und das Feuerwerk mehr als künstlerische Feinheiten. Und immer dankbar ist das Publikum.

Quelle: www.derstandard.at
 

Österreich: Schrille Show - TV-Stars erobern die Seefestspiele.
So schrill war eine Operette noch nie: Die Seefestspiele in Mörbisch wurden am Donnerstag zur Freiluftshow dieses Sommers. Es war ein Operettenspektakel, wie es Österreich noch nicht gesehen hatte: Moderator und Sänger Klaus Eberhartinger tanzt als „schöner Sigismund“ im orange-rosafarbigen Karo-Anzug über die kitschtriefende Märchenbühne. Ein schneidiger Rainhard Fendrich singt sich als liebestoller Leopold tapfer durch die Liebeswirren, „Dancing Star“ Zabine Kapfinger machte als Rössl-Wirtin Josepha im Dirndl gute Figur.

Im Publikum klatschten Promis von Peter Weck bis bis Gery Keszler. Und am Ende löste Harald Serafin höchstselbst als Kaiser Franz Joseph das Durcheinander in ein großes Happy End auf. Besonders aufgrund der Top-Besetzung durch Prominente aus der Fernseh- und Show-Welt hatte das Stück schon im Vorfeld für Aufregung und Lob gesorgt. „Der schöne Sigismund garantiert einen Lacherfolg“, versprach Regisseur Karl Absenger: „Eberhartinger ist ein Komödiant vor dem Herrn!“

Das kitschige Getöse auf der Seebühne in Mörbisch (Burgenland) war freilich minutiös geplant. Hinter der Premiere von „Im weißen Rössl“ standen millionenschwere Vorbereitungen.
Auf 2.500 m2 wurde eine märchenhafte Nachbildung des Salzkammerguts aus der flachen Uferlandschaft des Neusiedler Sees gestampft. Aus 110 Tonnen Stahl und Holz wurde die Kulisse gezimmert. Geschäftsführer Dietmar Posteiner spricht von „insgesamt zwölf Millionen Euro Produktionskosten“. Die dürften sich bezahlt machen. Der gestrige Premierenabend war längst ausverkauft, 6.000 begeisterte Zuschauer saßen auf den Tribünen. Insgesamt werden bis 24. August mehr als 200.000 Zuschauer ins „Mekka der Operette“ nach Mörbisch pilgern. Und auch via ORF?2 waren gestern Abend Tausende Österreicher live dabei. Das „musikalische Disneyland“ (ORF-Regisseur Kurt Pongratz) wurde live von zehn Kameras in die Wohnzimmer übertragen – was den Verkauf der wenigen Restkarten für die Festspiele noch einmal ordentlich anheizen dürfte.

Serafin, um den derzeit eine Nachfolgediskussion tobt war am Ende sichtlich zufrieden. Der stets gut gelaunte ¬Intendant hatte aber schon lange vor der Premiere gewusst: „Dieser Abend wird wuuunderbaaar!“

Quelle: www.oe24.at