
"Im Weißen Rössl" –
die Revue-Operette hat immer Saison.
Am 8. November 1930 wurde das
Stück „Im Weißen Rössl“ von Ralph Benaktzky im
Großen Schauspielhaus in Berlin uraufgeführt. In
seinem Tagebuch vermerkt Ralph Benatzky dazu am
9. November 1930:
„Wieder
eine Premiere vorbei, die vom Weißen Rössl im Großen
Schauspielhaus. Zu berichten wird über die Kritiken
sein, die sich nach den Montagsblättern nicht
günstig anlassen. – So Wurst! – Meine künstlerische
Position wird eine schlechte Presse nicht
erschüttern, eine gute nicht fördern, und ich bleibe
der, von der Presse nicht im Entferntesten seiner
wahren Begabung nach anerkannte, Ralph Benatzky, so
oder so.“
Ralph Benaktzky wollte nicht so recht
an den Erfolg glauben,
nach amerikanischem
Vorbild war das "Weiße Rössl" eine
Gemeinschaftsproduktion. Revuestar und Regisseur
Erik Charell hatte zur Musik von Benatzky
Kompositionen von Robert Stolz, Bruno
Granichstaedten und Eduard Künneke eingekauft. Der
Text beruhte auf einem Lustspiel, das Oscar
Blumenthal und Gustav Kadelburg bereits 1898 zur
Uraufführung gebracht hatten. Robert Gilbert
steuerte die Songtexte bei.
Kein Wunder also,
dass Benatzky skeptisch war und diesem Potpourri
misstraute,
doch die Geschichte vom Zahlkellner
Leopold, der die Rösselwirtin Josepha Vogelhuber
liebt und erst nach endlosen Schwierigkeiten
bekommt, eroberte die Welt.
In London brachte es das Stück auf 650
Vorstellungen en suite, 1936 kam die Operette am
Broadway heraus und feierte als „The White
Horse Inn“ Erfolge. Das Stück wurde in mehr als
30 Sprachen – sogar ins Japanische - übersetzt. Vom
ungebrochenen Erfolg zeugen auch die zahlreichen
Verfilmungen u. a. mit Peter Alexander als
Leopold.
Der Erfolg des „Weißen Rössls“ könnte
vielleicht damit erklärt werden, dass es keine
standardisierte Operette an sich ist.
Charell wollte „eine intelligente Unterhaltung
für moderne Großstädter“, respektlos und voll
Glamour, Dekadenz, ironisch gebrochener Nostalgie -
kitschpostkartenhaft. „Das Weiße Rössl“ zaubert
Stimmungen auf die Bühne, denen sich niemand
entziehen kann. Und das wird diesen Sommer auch der
Fall bei den Seefestspielen Mörbisch sein. Freuen
wir uns schon jetzt auf die Premiere des „Weißen
Rössls“ am Neusiedler See am 10. Juli.
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