Oscar Preisträger Maximilian Schell
inszeniert "Wiener Blut" von Johann
Strauss
Ein Weltstar
in Mörbisch:
Wenn im „Mekka der Operette“ das
50jährige Jubiläum gefeiert wird,
dann muss das ein glanzvolles,
brillantes Fest werden. Eine
notwendige Voraussetzung dafür wurde
von Intendant Kammersänger Harald
Serafin geschaffen:
Es gelang ihm, Maximilian Schell
als Regisseur für die Johann Strauß
– Operette „Wiener Blut“ zu
verpflichten:
Was reizt Maximilian Schell,
der bereits den Rosenkavalier von
Richard Strauss oder Wagners
"Lohengrin" in Los Angeles in
Szene gesetzt hat, an der Operette?
"Die Operette ist das Musical des
19. Jahrhunderts. Als ich das erste
mal in Mörbisch war, war ich
begeistert. Sogar meine Tochter, die
sonst Eminen zugetan ist, hat
Mörbisch sofort geliebt.
Und ich fing an, dieses Team rund um
Rolf Langenfass (Bühne) oder Giorgo
Madia (Choreographie) zu bewundern.
Maximilian
Schell will in der Inszenierung von "Wiener
Blut" vor allem "Gegensätze anpacken".
"Das muss ein Traumspiel werden, bei dem
die Parallelen zur heutigen Zeit sichtbar
werden.
Man darf nicht vergessen, dass diese
Operette zur Zeit des Wiener Kongresses
spielt. Da wurden die Weichen für die
Zukunft Europas gestellt. Das ist mit heute
vergleichbar. Politik ist Politik. Sie ist
Glück und Unglück zugleich. Aber am Ende
regiert immer die Verwaltung. Die Parallelen
zur heutigen Zeit werden erkennbar sein.
Dafür braucht es nicht unbedingt modische
Kleider".
Oscarpreisträger
Maximilian Schell, am 8. Dezember 1930 in
Wien geboren und in der Schweiz
aufgewachsen, erhielt den "Oscar" für seine
Rolle des Verteidigers in "Das Urteil von
Nürnberg".
Ein halbes Dutzend Golden Globes, mehrere
Oscar -Nominierungen und zahlreiche andere
internationale Filmpreise unterstreichen,
dass Maximilian Schell seit Jahrzehnten
Weltklasse ist.
Maximilian
Schell im Interview Länge: 6:06 min Kulturjournal
- Sepp Gmasz
Schell hat versucht, der
leichtgewichtigen
Gesellschaftskomödie mehr Tiefe zu
verleihen, indem er sie zur Zeit des
Wiener Kongresses spielen lässt und
die europäische Politik von damals
in Beziehung zum Heute setzt.
Gleichzeitigkeit von Trauern und
Feiern
Die neue Inszenierung von "Wiener
Blut" in Mörbisch zeigt Operette so,
wie man sie sehen will: Showwert und
Tiefsinn, sagt Maximilian Schell.
Für Schell ist diese
Gleichzeitigkeit von Trauern und
Feiern ein charakteristischer Zug
der Wiener, damit Österreicher, und
durchaus noch aktuell: Denn auch
heute, wo wir mit dem Fernsehen
leben und Kriege sehen, geschieht
etwas Ungeheures: Uns geht es hier
gut, wir feiern und dort sterben
Menschen. Kann man das ignorieren? -
Nein!, sagt Maximilian Schell.
Wiener Kongress erinnert ans
Heute
Abtransporte von Verwundeten,
Mausoleen werden zu Liebesgrotten
umgedreht, das alles hat
Bühnenbildner Rolf Langenfass so
gestaltet. Die Idee dazu kam auf
einem Wiener Friedhof, in Hietzing.
Dort liegen auch Größen wie
Grillparzer, Conrad von Hötzendorf,
Hoffmann oder Kolo Moser - das sei
auch typisch Wien, die Affinität zum
Tod.
Die Operette wird zwar von vielen
nicht ernst genommen, doch Schell
findet die Musik wunderbar. Gustav
Mahler oder Johannes Brahms
bewunderten seinerzeit schon Johann
Strauß für seinen Melodienreichtum.
Maximilian Schell interessierte die
Zeit, in der die Operette spielt:
die Zeit Metternichs, dessen Figur
er auch auftreten lässt. Der damals
teils willkürliche Kongress erinnert
auch an das Heute.
"Wiener Blut" in Mörbisch Länge:
3:20 min Ö1 Mittagsjournal - Sepp
Gmasz
Die Mörbischer Seefestspiele feiern
heuer mit "Wiener Blut" ihr
fünfzigjähriges Bestehen. Für die
Strauß-Operette, seine letzte
übrigens, die im Todesjahr 1899
entstand, wurde Maximilian Schell
als Regisseur verpflichtet. Was
viele zunächst als PR-Gag des
Intendanten Harald Serafin abtun
wollten, entpuppte sich als
spannendes, manchmal auch
spannungsgeladenes, letztlich aber
sehr kreatives Match zwischen
Intendanz und Regie, aus dem eine
interessante Produktion erwuchs.
Liebesbeziehungen, Krieg und Tod
Schon der Begin ist ungewöhnlich:
Statt einer musikalischen
Introduktion steigt Harald Serafin
nach seiner obligaten Gästebegrüßung
mit einem Prolog ein. Im Grunde ist
"Wiener Blut", wie in so vielen
Operetten, ein Spiel von
leichtfertigen Liebesbeziehungen. Da
die Handlung aber im Jahr des Wiener
Kongresses, 1815, angesiedelt ist,
macht Schell auch ein Spiel vom
Umgang der Wiener mit Krieg und Tod
daraus. Alles Walzer! - die
eleganteste Verdrängung im
Dreivierteltakt.
Statt des Grafen Bitowski hat
Regisseur Maximilian Schell den
Fürsten Metternich als zentrale
Figur eingeführt, der auf der
europäischen Bühne ein
wirkungsvolles Rezept zur Befriedung
und Neuordnung Europas gefunden hat.
Mediengesellschaft
Für Schell ist diese
Gleichzeitigkeit von Trauern und
Feiern ein charakteristischer Zug
der Wiener, damit Österreicher, und
durchaus noch aktuell: Denn auch
heute, wo wir mit dem Fernsehen
leben und Kriege sehen, geschieht
etwas Ungeheures: Uns geht es hier
gut, wir feiern und dort sterben
Menschen. Kann man das ignorieren? -
Nein!, sagt Maximilian Schell.
Die Inszenierung Schells, mit dem
Bühnenbildner Rolf Langenfass, weist
manche kammerspielartige Szenen auf.
Einem Teil des Publikums werden die
üblichen Revueeinlagen abgehen.
Manche Details, wie etwa eine leicht
zerschossene Palladio Villa oder
Mausoleen, die zu Liebestempeln
mutieren, mögen auch nicht jedem
gleich schlüssig erscheinen.
Zahlreiche Pointen
Das Ballett ist sparsam, aber umso
effektvoller eingesetzt. Harald
Serafin mutet sich, noch immer voll
Elan, die große Rolle des Fürsten
Ypsheim-Gindelbach zu
Reuß-Schleiz-Greiz zu.
Ihm zur Seite steht ein Ensemble,
das dafür sorgt, dass das Publikum
an zahlreichen Pointen und vor allem
auch an der Musik von Johann Strauß
Vergnügen findet. "Wiener Blut" im
Jubiläumsjahr von Mörbisch,
vielleicht ein neuer Weg - in jedem
Fall aber sehenswert.