DARSTELLER  2007

50 Jahre Seefestspiele Mörbisch:

Oscar Preisträger Maximilian Schell inszeniert "Wiener Blut" von Johann Strauss

Ein Weltstar in Mörbisch:


Wenn im „Mekka der Operette“ das 50jährige Jubiläum gefeiert wird, dann muss das ein glanzvolles, brillantes Fest werden. Eine notwendige Voraussetzung dafür wurde von Intendant Kammersänger Harald Serafin geschaffen:

Es gelang ihm, Maximilian Schell als Regisseur für die Johann Strauß – Operette „Wiener Blut“ zu verpflichten:
 

Was reizt Maximilian Schell, der bereits den Rosenkavalier von Richard Strauss oder Wagners "Lohengrin" in Los Angeles in Szene gesetzt hat, an der Operette?

"Die Operette ist das Musical des 19. Jahrhunderts. Als ich das erste mal in Mörbisch war, war ich begeistert. Sogar meine Tochter, die sonst Eminen zugetan ist, hat Mörbisch sofort geliebt.

Und ich fing an, dieses Team rund um Rolf Langenfass (Bühne) oder Giorgo Madia (Choreographie) zu bewundern.
Maximilian Schell will in der Inszenierung von "Wiener Blut" vor allem "Gegensätze anpacken".

"Das muss ein Traumspiel werden, bei dem die Parallelen zur heutigen Zeit sichtbar werden.

Man darf nicht vergessen, dass diese Operette zur Zeit des Wiener Kongresses spielt. Da wurden die Weichen für die Zukunft Europas gestellt. Das ist mit heute vergleichbar. Politik ist Politik. Sie ist Glück und Unglück zugleich. Aber am Ende regiert immer die Verwaltung. Die Parallelen zur heutigen Zeit werden erkennbar sein. Dafür braucht es nicht unbedingt modische Kleider".

Oscarpreisträger
Maximilian Schell, am 8. Dezember 1930 in Wien geboren und in der Schweiz aufgewachsen, erhielt den "Oscar" für seine Rolle des Verteidigers in "Das Urteil von Nürnberg".
Ein halbes Dutzend Golden Globes, mehrere Oscar -Nominierungen und zahlreiche andere internationale Filmpreise unterstreichen, dass Maximilian Schell seit Jahrzehnten Weltklasse ist.

Hauptdarsteller & Leadning Team 2007

 Maximilian Schell im Interview Audio Länge: 6:06 min Kulturjournal - Sepp Gmasz
   

Schell hat versucht, der leichtgewichtigen Gesellschaftskomödie mehr Tiefe zu verleihen, indem er sie zur Zeit des Wiener Kongresses spielen lässt und die europäische Politik von damals in Beziehung zum Heute setzt.

Gleichzeitigkeit von Trauern und Feiern

Die neue Inszenierung von "Wiener Blut" in Mörbisch zeigt Operette so, wie man sie sehen will: Showwert und Tiefsinn, sagt Maximilian Schell.

Für Schell ist diese Gleichzeitigkeit von Trauern und Feiern ein charakteristischer Zug der Wiener, damit Österreicher, und durchaus noch aktuell: Denn auch heute, wo wir mit dem Fernsehen leben und Kriege sehen, geschieht etwas Ungeheures: Uns geht es hier gut, wir feiern und dort sterben Menschen. Kann man das ignorieren? - Nein!, sagt Maximilian Schell.

Wiener Kongress erinnert ans Heute
Abtransporte von Verwundeten, Mausoleen werden zu Liebesgrotten umgedreht, das alles hat Bühnenbildner Rolf Langenfass so gestaltet. Die Idee dazu kam auf einem Wiener Friedhof, in Hietzing. Dort liegen auch Größen wie Grillparzer, Conrad von Hötzendorf, Hoffmann oder Kolo Moser - das sei auch typisch Wien, die Affinität zum Tod.

Die Operette wird zwar von vielen nicht ernst genommen, doch Schell findet die Musik wunderbar. Gustav Mahler oder Johannes Brahms bewunderten seinerzeit schon Johann Strauß für seinen Melodienreichtum.

Maximilian Schell interessierte die Zeit, in der die Operette spielt: die Zeit Metternichs, dessen Figur er auch auftreten lässt. Der damals teils willkürliche Kongress erinnert auch an das Heute.

Mehr dazu in
oe1.ORF.at
 

 Audio "Wiener Blut" in Mörbisch  Länge: 3:20 min Ö1 Mittagsjournal - Sepp Gmasz

 
  Die Mörbischer Seefestspiele feiern heuer mit "Wiener Blut" ihr fünfzigjähriges Bestehen. Für die Strauß-Operette, seine letzte übrigens, die im Todesjahr 1899 entstand, wurde Maximilian Schell als Regisseur verpflichtet. Was viele zunächst als PR-Gag des Intendanten Harald Serafin abtun wollten, entpuppte sich als spannendes, manchmal auch spannungsgeladenes, letztlich aber sehr kreatives Match zwischen Intendanz und Regie, aus dem eine interessante Produktion erwuchs.

Liebesbeziehungen, Krieg und Tod
Schon der Begin ist ungewöhnlich: Statt einer musikalischen Introduktion steigt Harald Serafin nach seiner obligaten Gästebegrüßung mit einem Prolog ein. Im Grunde ist "Wiener Blut", wie in so vielen Operetten, ein Spiel von leichtfertigen Liebesbeziehungen. Da die Handlung aber im Jahr des Wiener Kongresses, 1815, angesiedelt ist, macht Schell auch ein Spiel vom Umgang der Wiener mit Krieg und Tod daraus. Alles Walzer! - die eleganteste Verdrängung im Dreivierteltakt.

Statt des Grafen Bitowski hat Regisseur Maximilian Schell den Fürsten Metternich als zentrale Figur eingeführt, der auf der europäischen Bühne ein wirkungsvolles Rezept zur Befriedung und Neuordnung Europas gefunden hat.

Mediengesellschaft
Für Schell ist diese Gleichzeitigkeit von Trauern und Feiern ein charakteristischer Zug der Wiener, damit Österreicher, und durchaus noch aktuell: Denn auch heute, wo wir mit dem Fernsehen leben und Kriege sehen, geschieht etwas Ungeheures: Uns geht es hier gut, wir feiern und dort sterben Menschen. Kann man das ignorieren? - Nein!, sagt Maximilian Schell.

Die Inszenierung Schells, mit dem Bühnenbildner Rolf Langenfass, weist manche kammerspielartige Szenen auf. Einem Teil des Publikums werden die üblichen Revueeinlagen abgehen. Manche Details, wie etwa eine leicht zerschossene Palladio Villa oder Mausoleen, die zu Liebestempeln mutieren, mögen auch nicht jedem gleich schlüssig erscheinen.

Zahlreiche Pointen
Das Ballett ist sparsam, aber umso effektvoller eingesetzt. Harald Serafin mutet sich, noch immer voll Elan, die große Rolle des Fürsten Ypsheim-Gindelbach zu Reuß-Schleiz-Greiz zu.

Ihm zur Seite steht ein Ensemble, das dafür sorgt, dass das Publikum an zahlreichen Pointen und vor allem auch an der Musik von Johann Strauß Vergnügen findet. "Wiener Blut" im Jubiläumsjahr von Mörbisch, vielleicht ein neuer Weg - in jedem Fall aber sehenswert.

 


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