Fürstliche Operettengala im Schloss Esterhazy
 

Wenn man seinen 50er feiert, dann muss es ein besonderes Fest werden. Ja und daher wird das Jubiläum „50 Jahre Seefestspiele Mörbisch“ nicht auf der Seebühne, sondern im fürstlichen Schloss Esterhazy in Eisenstadt gefeiert. Im weltberühmten Haydnsaal erklingen eine Nacht lang Melodien von Strauß, Lehar, Kalman & Co und 250 Gäste lassen sich ins Reich der Operette entführen.

Wochenlang hat sich Intendant Harald Serafin auf den Abend wie ein kleines Kind gefreut, denn er darf auch feiern: 15 Jahre Intendanz Harald Serafin. Als künstlerischer Leiter hat er das Festival völlig umgekrempelt – gemäß dem Motto „nicht kleckern, sondern klotzen“ und hat aus den Seefestspielen ein einzigartiges Operettenfestival gemacht.
Da es 15 Jahre Harald Serafin, 50 Jahre Seefestspiele Mörbisch und auch etwa 150 Jahre Operette zu würdigen gilt, braucht es einen würdigen Entertainer, der launig durch den Abend führt. Ja und wer würde sich da besser eignen als Teddy Podgorski - der Mann, der die Zib erfand, der Mann, der ORF Generaldirektor war und der Mann der 3mal in Mörbisch auf der Bühne stand.
Njegus, Kagler, Frosch – in diesen Rollen ist Teddy Podgorski zur Höchstform auf in Mörbisch aufgelaufen. Erstmals gesteht er öffentlich, dass er vor der riesigen Seebühne die Hosen gestrichen voll hatte und bei der Generalprobe als Nejgus in "Die lustige Witwe" 1993 am liebsten auf und davon gelaufen wäre. Doch die Angst, sich vor Harald Serafin zu blamieren war noch größer. Der Lohn für die Angst war dann eine der schönsten Erfahrungen in seinem Leben: das Lachen und der Applaus von 4.500 Menschen auf der Zuschauertribüne.

Wie alles begann in Mörbisch, nun das ist eine lange Geschichte, um die Gäste nicht zu langweilen, bringt Harald Serafin die Geschichten schnell auf den Punkt:“ Stellt euch vor, vor 50 Jahren ist Herbert Alsen durch den burgenländischen Gatsch gewandert, in Rust gelandet, aber die wollten die Seespiele ja nicht und so ist er in den Obergatsch nach Mörbisch gewandert und dort hatte er eine sensationelle Idee und die Bühne nicht am Ufer, sondern in den See gebaut!“ 

Für diesen Pioniergeist bedankt sich Harald Serafin bei Gisela Alsen, der Witwe des Mörbisch-Begründers und deren Tochter Marina Alsen. Serafin busselt die Alsen-Damen und vom Publikum gibt es Standing Ovations dafür. Mit Tränen in den Augen bemerkt Gisela Alsen ganz leise, „ich glaub, jetzt schaut mein Mann auf uns runter und freut sich!“

Es ist ein Freudentag oder besser gesagt eine Freudennacht, die im Schloss Esterhazy über die Bühne geht und alle schwelgen in Erinnerungen. Auf eine lange Zeit in Mörbisch kann der musikalische Leiter der Seefestspiele, Rudolf Bibl, zurückblicken. 1962 hat er erstmals in Mörbisch dirigiert und zwar den Zigeunerbaron von Johann Strauß. In Erinnerung blieb ihm ganz besonders der Chor – nicht Profis sagen damals die Chorpassagen, sondern die Mörbischer, „das was ich von Februar an mit ihnen einstudiert hatte, das konnten die wirklich, sie sangen, wie die Teufel – mein Gott war das schön.“

 

Operettenstars sind seit 50 Jahren Sommer für Sommer in Mörbisch zuhause und so manche Freundschaften wurden dabei geknüpft. Jede freie Minute verbrachte Tenor Adolf Dallapozza während seiner Engagements in Mörbisch im Cafe Sommer. Als er einmal nach der Vorstellung nicht erschien, gab es eine Rüge vom Chef, erzählt der Kammersänger: „Jo, Herr Dallapozza, wo warn’s denn gestern, wir haben extra für sie offen lassen und g’wartet – ich hab mich dann entschuldigt und bin ab diesem Zeitpunkt immer brav nach der Vorstellung im Cafe Sommer erschienen.“

 „Viele Geschichten gibt es zu erzählen und die schönste Geschichte ist, dass Harald Serafin die von vielen längst tot gesagte Operette vor 15 Jahren zum Leben wiedererweckt hat. Als ich hier im Vogelhändler, im Zigeunerbaron, im Land des Lächelns und in der Zirkusprinzessin auftrat, war es wunderschön, es hatte eine tolle Atmosphäre, aber das was jetzt hier in Mörbisch steht und geschieht, das ist gewaltig, schön, dass ich das alles noch miterleben darf, freut sich ein rundum zufriedener und glücklicher Kammersänger Peter Minich.  Harald Serafin hat wirklich gewaltiges in Mörbisch geschafft. 200.000 Besucher und ein bisserl mehr pilgern im Sommer ins Mekka der Operette.

 Harald Serafin ist Operette pur und das meint auch Kabarettist Herbert Steinböck, der für einen Kurzauftritt in die Rolle von Mister Wunderbar schlüpft und zum Gaudium aller Gäste verrät, dass der Intendant gern die Frauen küsst und sich jeden Tag selber sagt, wie wunderbar er doch wieder ist.

Wunderbar ist Harald Serafin wirklich, das bestätigen auch Ursula Pfitzner, Naomi Nadelmann, Herbert Lippert, Sebastian Reinthaller und Peter Edelmann.

Serafin hat sie alle bei ihren ersten Gehversuchen auf der Seebühne nämlich wunderbar begleitet. Im weltberühmten Haydnsaal ist Händchenhalten daher nicht mehr nötig, die Sängerinnen und Sänger meistern ihre Auftritte bravourös. Zur Freude von Regisseur Maximilian Schell. Der Oscarpreisträger wird immer mehr zum Seelenverwandten des einstigen Bonvivants der Operette:

 „Ich mag den Harald, ich streit gern mit ihm, aber ich mag ihn und beide mögen wir die Operette und das Burgenland, es ist herrlich hier.“
 Und Harald Serafin, nun der ist glücklich und dann holt er einen vor den Vorhang, der sonst immer einige Schritte hinter ihm geht und steht, egal was passiert: Dietmar Posteiner, der Geschäftsführer der Seefestspiele Mörbisch: „Als ich damals Intendant wurde, sagte ich, ich brauch den Posteiner an meiner Seite – der Posteiner ist meinerder Posteiner oder keiner - ja, und jetzt sind wir schon seit 15 Jahren zusammen, wir sind das doppelte Lottchen!“

Dietmar Posteiner hat übrigens gemeinsam mit Eva Deissen ein Buch über 50 Jahre Seefestspiele Mörbisch und 15 Jahre Intendanz Serafin geschrieben. "Mörbisch - Ein Festival schreibt Operettengeschichte" blickt hinter die Kulissen des Festivals und ist im echomedia-Verlag erschienen.