Prof. Wolfgang Fritz (re) Akustikdesign
Prof. Walter Hermann (li) Webmaster

Prof. Wolfgang Fritz gilt als der eigentliche Erfinder des sogenannten „Richtungshörens“,  das von Österreich aus die Welt erobert.
Tonanlage der Seefestspiele. (Bild: ORF) EIN STAR DER TONREGIE

Seit 14 Jahren sorgt Akustikdesigner Prof. Wolfgang Fritz für das perfekte Klangerlebnis auf der Seebühne.

1992 übernimmt Harald Serafin die Intendanz der Seefestspiele Mörbisch
und geht mit großem Eifer und Enthusiasmus daran aus Mörbisch das "Mekka der Operette" zu machen. Zu diesem Zweck sucht sich der Intendant ein neues Team und so schneit eines Tages Harald Serafin ins Büro von Prof. Wolfgang Fritz in der Wiener Staatsoper. Serafin wirft dem Chef der Akustik der Wiener Staatsoper zwei Zeitungsartikel auf den Schreibtisch.

Im einen Artikel wird die Ton-Qualität der  Bregenzer Festspiele gelobt und als exzellent bezeichnet. Im anderen Artikel wird die Tonqualität der Seefestspiele Mörbisch total verrissen und als katastrophal bezeichnet. Das Stück „Sissi und Romy“ von Roland Baumgartner (1991) sei durch die schlechte Tontechnik kaputt gemacht worden, so die Kritik.

Da Harald Serafin nie lange verhandelt, kommt er gleich zur Sache und sagt zu Prof. Fritz: „Du wirst das ändern!“ Da Wolfgang Fritz zu diesem Zeitpunkt schon seit 1970 die Tontechnik der Bregenzer Festspiele betreut, lehnt er das Angebot zunächst ab.

Doch wer Serafin kennt, der weiß, Serafin ist hartnäckig und bekommt immer, was er sich wünscht. Harald Serafin holt sich die damalige Kulturlandesrätin des Burgenlandes, Dr. Christa Krammer, zu Hilfe und gemeinsam überredet man Prof. Wolfgang Fritz zur Mitarbeit in Mörbisch. Nachdem die temperamentvolle Politikerin Star der Tonregie spontan umarmt und herzt, ist Wolfgang Fritz zu entlocken, „o.k., ich mach es, aber nur, wenn wir in Mörbisch „Richtungshören“ verwirklichen können, sonst steh ich nicht zur Verfügung!“

Wolfgang Fritz gilt nämlich als der eigentliche Erfinder des sogenannten „Richtungshörens“, eines akustischen Standards, der von Österreich aus die Welt eroberte. Richtungshören bedeutet dass die Stimme eines Sängers oder einer Sängerin immer aus jener Richtung verstärkt wird, die mit seiner aktuellen Position auf der Bühne übereinstimmt. Bewegt sich der Sänger, wandert seine Stimme mit, was den Reiz einer Open-Air-Aufführung gegenüber dem zuvor üblichen Verfahren enorm steigerte, bei dem alle Stimmen aus einem zentralen Lautsprecher an das Ohr des Publikums gedrungen sind.

Bildschirm der Tonanlage. (Bild: ORF)

Seit heuer sind wir auf der Seebühne in Mörbisch sogar noch einen Schritt weiter“, erzählt Wolfgang Fritz.

„Bei einer Freiluftaufführung fehlte bisher der Nachhall. Doch jetzt kann innerhalb gewisser Grenzen akustisch ein Raum simuliert werden, so dass das Hörerlebnis dem in einem geschlossenen Raum angeglichen wird.“

Monatelang hat der Akustikdesigner der Seefestspiele Mörbisch, Wolfgang Fritz, am perfekten Ton für das Festival am Neusiedlersee getüftelt, damit die Operettenfreunde beim Grafen von Luxemburg einen besonderen Klanggenuss erleben.

Prof. Wolfgang Fritz kennt die Seefestspiele Mörbisch übrigens seit seiner Kindheit. Sein Vater, der Regisseur und einstige stellvertretende Direktor der Wiener Volksoper Otto Fritz hat nämlich 3mal auf der Seebühne inszeniert und zwar 1972 „Eine Nacht in Venedig“ (Johann Strauss), 1965 „Die Blume von Hawaii“ (Paul Abraham) und 1964 „Die lustige Witwe“ (Franz Lehar).

Als Kind hat er Premieren in Mörbisch miterlebt, als Chef der Akustik noch nie. Aber dieses Mal ist es soweit: Prof. Wolfgang Fritz wird erstmals bei einer Premiere auf der Seebühne mit dabei sein. Schon am frühen Morgen fliegt er direkt von den Proben am Bodensee zur Premiere am Neusiedlersee. Nach einem intensiven Soundcheck der neuen Tonanlage am Nachmittag wird er dann am Abend vor Ort mitfiebern, mitzittern und seiner Leidenschaft für Klassik im Freien ihren Lauf lassen.