1992 übernimmt Harald Serafin die
Intendanz der Seefestspiele Mörbisch
und geht mit großem Eifer und Enthusiasmus daran aus
Mörbisch das "Mekka der Operette" zu machen.
Zu diesem Zweck sucht sich der Intendant ein neues
Team und so schneit eines Tages Harald Serafin ins
Büro von Prof. Wolfgang Fritz in der Wiener
Staatsoper. Serafin wirft dem Chef der Akustik
der Wiener Staatsoper zwei Zeitungsartikel auf
den Schreibtisch.
Im einen Artikel wird die Ton-Qualität der
Bregenzer Festspiele gelobt und als exzellent
bezeichnet. Im anderen Artikel wird die Tonqualität
der Seefestspiele Mörbisch total verrissen
und als katastrophal bezeichnet. Das Stück „Sissi
und Romy“ von Roland Baumgartner (1991)
sei durch die schlechte Tontechnik kaputt
gemacht worden, so die Kritik.
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Da Harald Serafin nie lange
verhandelt, kommt er gleich zur Sache und
sagt zu Prof. Fritz: „Du wirst das
ändern!“ Da Wolfgang Fritz zu diesem
Zeitpunkt schon
seit 1970 die Tontechnik der
Bregenzer Festspiele
betreut, lehnt er das Angebot zunächst ab.
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Doch wer Serafin kennt, der weiß,
Serafin ist hartnäckig und bekommt immer, was er
sich wünscht.
Harald Serafin holt sich die
damalige Kulturlandesrätin des Burgenlandes, Dr.
Christa Krammer, zu Hilfe und gemeinsam
überredet man Prof. Wolfgang Fritz zur Mitarbeit in
Mörbisch. Nachdem die temperamentvolle Politikerin
Star der Tonregie spontan umarmt und herzt, ist
Wolfgang Fritz zu entlocken, „o.k., ich mach es,
aber nur, wenn wir in Mörbisch „Richtungshören“
verwirklichen können, sonst steh ich nicht zur
Verfügung!“
Wolfgang Fritz gilt nämlich als
der eigentliche Erfinder des sogenannten
„Richtungshörens“, eines akustischen Standards,
der von Österreich aus die Welt eroberte.
Richtungshören bedeutet dass die Stimme eines
Sängers oder einer Sängerin immer aus jener Richtung
verstärkt wird, die mit seiner aktuellen Position
auf der Bühne übereinstimmt. Bewegt sich der Sänger,
wandert seine Stimme mit, was den Reiz einer
Open-Air-Aufführung gegenüber dem zuvor üblichen
Verfahren enorm steigerte, bei dem alle Stimmen aus
einem zentralen Lautsprecher an das Ohr des
Publikums gedrungen sind.
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„Seit heuer sind wir
auf der Seebühne in Mörbisch sogar noch
einen Schritt weiter“, erzählt Wolfgang
Fritz.
„Bei einer Freiluftaufführung fehlte bisher
der Nachhall. Doch jetzt kann innerhalb
gewisser Grenzen akustisch ein
Raum simuliert werden, so dass das
Hörerlebnis dem in einem geschlossenen Raum
angeglichen wird.“ |
Monatelang hat
der Akustikdesigner der Seefestspiele Mörbisch,
Wolfgang Fritz, am perfekten Ton für das
Festival am Neusiedlersee getüftelt, damit die
Operettenfreunde beim Grafen von Luxemburg einen
besonderen Klanggenuss erleben.
Prof. Wolfgang Fritz kennt die
Seefestspiele Mörbisch übrigens seit seiner
Kindheit. Sein Vater, der Regisseur und einstige
stellvertretende Direktor der Wiener Volksoper Otto
Fritz hat nämlich 3mal auf der Seebühne
inszeniert und zwar 1972 „Eine Nacht in Venedig“
(Johann Strauss), 1965 „Die Blume von Hawaii“
(Paul Abraham) und 1964 „Die lustige Witwe“
(Franz Lehar).
Als Kind hat er Premieren in
Mörbisch miterlebt, als Chef der Akustik noch nie.
Aber dieses Mal ist es soweit: Prof. Wolfgang
Fritz wird erstmals bei einer Premiere auf der
Seebühne mit dabei sein. Schon am frühen Morgen
fliegt er direkt von den Proben am Bodensee zur
Premiere am Neusiedlersee. Nach einem intensiven
Soundcheck der neuen Tonanlage am Nachmittag wird er
dann am Abend vor Ort mitfiebern, mitzittern und
seiner Leidenschaft für Klassik im Freien
ihren Lauf lassen.
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